Theater als Hörspiel

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Interview mit Elisa Merkens zu "Der große böse Fuchs"
Der grosse böse Fuchs

Ein Comic ist ein rein visuelles Medium. Wird er für die Theaterbühne adaptiert, kommen zum Visuellen noch akustische Informationen hinzu. Macht man nun aus diesem Theaterstück, das eigentlich ein Comic war, ein Hörspiel  - verschwindet alles Visuelle. Warum sollte man das machen? Ganz klar: weil man mutig ist und sich von einer Pandemie nicht unterkriegen lässt!

Das Theater Pfütze Nürnberg ist in dieser Situation, weil Corona eine Premiere vor Publikum im Theaterraum verhindert. Am Ostersonntag geht nun das erst Pfütze-Hörspiel "Der große böse Fuchs" nach der Graphic Novel von Benjamin Renner online. Nach der Premiere kann man es streamen. Wir haben mit Regisserin Elisa Merkens über diese besondere Probensituation gesprochen.

Interview mit Elisa Merkens

Die Produktion „Der große böse Fuchs“ erscheint als Hörspiel - weil ihr es aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht auf der Bühne zeigen könnt. Wie groß war die Enttäuschung?

Ehrlich gesagt schon sehr groß zumal wir uns schon bei den Vorproben stark einschränken mussten. Natürlich hatten wir gehofft, dass dann zumindest die Hauptproben und die Premiere stattfinden können. Wir hatten ein großes, tolles Team aufgestellt und da fiel es wirklich schwer, sich von den vielen wunderbaren Ideen zu verabschieden. Sich von den Kostümen zu verabschieden, die natürlich teilweise schon produziert waren. Das Bühnenbild! Geplant war eine große Platte, die sich dreht, Trampoline … alles in allem: wir hatten ein sehr schönes Konzept und ein tolles Team und es war sehr traurig zu merken: „Es geht einfach nicht. Wir können das so nicht machen.“

"Das Konzept hat sich drastisch geändert."

Hattet Ihr als Theater technisch schon alles, was man für eine Hörspiel-Aufnahme braucht?

Ja und nein. Natürlich haben wir so manches bei uns in der Technik, was man auch für ein Hörspiel gebrauchen kann. Allerdings mussten wir uns hochwertige Mikrophonierung kaufen und auch in neue Software investieren, weil sich die Anforderungen natürlich von denen auf der Bühne unterscheiden. Es hat auch für die zuständigen TechnikerInnen eine große Veränderung gebracht: sie mussten sich mit dieser spezifischen Technik vertraut machen und der Fokus hat sich in eine ganz neue Richtung verschoben. Das alles war für uns ganz neu.

Alle Handlungen, die wir auf der Bühne sehen würden, müssen im Hörspiel irgendwie in Worte und Geräusche übersetzt werden … In wiefern hat sich das Konzept geändert?

Drastisch. Ausgehend von einem Team aus sechs Leuten, das auf der Bühne zu sehen gewesen wäre - in einem Raum mit Licht und in Kostümen mussten wir nun umdenken. Alles Sichtbare in Hörbares übersetzen. Iwona Jera hat eine Textfassung aus dem Comic erstellt und ich habe später eine Rahmenhandlung hinzugefügt, die in der Bühnenfassung nicht nötig gewesen wäre. Die beiden Figuren, die nun die Moderatoren des Hörspiels sind, waren im Theaterstück eher Beobachter. Für die Hörfassung sind nun die beiden - Hase und Schweinchen - zwei Figuren, die eine Radiosendung haben. Sie berichten in ihrer Sendung über eines ihrer Abenteuer im Rückblick. Im Stück hätten wir die Geschichte in Echtzeit erzählt - das ist schon eine sehr große Veränderung.

die Phantasie sichtbar machen

Die vier SprecherInnen und MusikerInnen spielen alle Figuren im wilden Wechsel: Die Hauptfiguren sind klar besetzt aber sonst müssen alle alles können um eine Sound-Kulisse zu erzeugen. Durch Geräusche und Musikinstrumente schaffen sie eine akustische Atmosphäre und müssen gleichzeitig die Figuren zum Leben erwecken. Das bedeutet ein großes Umdenken auch in der Regie. Ich habe bei den Proben sehr viel meine Augen zu und überprüfe, was wir da für die Phantasie „sichtbar“ machen. Was muss ich hören, damit vor meinem inneren Auge ein Film entsteht? Und so bauen wir nach und nach akustische Lagen auf, die zusammen, dieses Bild erzeugen. Das verlangt sehr viel von den HörpspielkünstlerInnen. Aber die Arbeit ist wahnsinnig intensiv und macht viel Spaß. Ein Glück im Unglück würde ich sagen.

Gibt es etwas, was Ihr aus der Hörspielarbeit mitnehmen werdet? Oder gibt es sogar in Zukunft mehr solche Projekte?

Was wir auf jeden Fall mitnehmen werden ist das Bewusstsein für den Klang: Wir lernen gerade, was mit Klang alles möglich ist, wie intensiv die Arbeit ist, die auf einen Sinn beschränkt ist. Das ist wahnsinnig spannend und da möchte ich auf jeden Fall weiter forschen. Für mich ist es die erste Regie beim Theater Pfütze und ich hätte Lust wieder solche Projekte zu machen. Ich glaube es ist ein tolles Medium aber natürlich ist es kein Theater und kann kein Theater ersetzen. Trotzdem ist es dem Theater sehr ähnlich weil es Geschichten erzählt, ohne dass es alles zeigen muss. Man erzeugt eine innere Geschichte und jeder, der sich das anhört kann eine eigene Phantasie entwickeln. Das ist auch etwas, was ich mir für Theater wünsche: dass es Raum für die eigene Vorstellung lässt.

Der "Fuchs" als Live-Hörspiel?

Wird das Stück irgendwann noch auf der Bühne zu sehen sein?

Ich hoffe. Einerseits hoffe ich, dass wir auch das Hörspiel live zeigen können. Es ist wahnsinnig spannend zu sehen, was die KünstlerInnen da machen, wie virtuos sie über den Ton und den Klang diese Welt erschaffen. Das macht so Spaß zuzusehen. Deshalb möchte ich unserem Publikum das auch gerne zeigen sobald wir dürfen. Ob wir das ursprüngliche Stück noch produzieren, wird sich zeigen. Da möchte ich nicht zu viel versprechen. Jetzt freue ich mich erst einmal, wenn wir mit dem Hörspiel rauskommen und  unser Publikum so sehr begeistern wie es uns und mich beglückt und begeistert.

Toi Toi Toi für den „Großen bösen Fuchs“!!!

Alle Infos zur Hörspiel-Produktion findet Ihr hier.

Wir haben auch den Comic von Benjamin Renner für Euch gelesen. Hier könnte Ihr Euch reinklicken, auch in sein neuestes Buch "Ein Baby auf Abwegen".

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